Die Reise des Grabtuches Jesu durch die Zeit



nach einer Darlegung der Priesterbruderschaft St. Pius X.

33 n.Chr.
Josef von Arimathäa nahm den Leichnam, wickelte ihn in reine Leinwand und legte ihn in sein neues Grab“ (Mt. 27, 59). „Der Josef von Arimathäa] kaufte Leinwand, nahm ihn ab und wickelte ihn in die Leinwand. Dann legte er ihn in ein Grab...“ (Mk. 15, 46). „Petrus aber machte sich auf und eilte zum Grab. Als er sich vorneigte, sah er nur die Linnentücher daliegen“ (Lk. 24, 12)

133 –135
Zweiter Jüdischer Krieg, Aufstand des Bar Kochba. Kaiser Hadrian lässt Jerusalem vernichten und die dortige jüdische Bevölkerung ausrotten oder zerstreuen. Juden und Christen fliehen u.a. nach Edessa, das sich seit 127 v.Chr. zu einem unabhängigen Königreich, das „Reich von Osroene ‚ erklärt hatte und es immer noch war.


(Einschub vom Verfasser)


In der Microsoft-Enzyklopädie findet sich folgender Hinweis: Edessa (aramäisch Urhai, türkisch Urfa), antike syrische Stadt, die mit dem biblischen Stammvater Abraham in Verbindung gebracht wird, nach der Eroberung Persiens durch Alexander den Großen so benannt nach der makedonischen Hauptstadt. Nach der Einführung des Christentums wurden im 3. Jahrhundert zahlreiche Klöster erbaut. Edessa entwickelte sich früh zu einem Zentrum theologischer Gelehrsamkeit. Im 7. Jahrhundert fiel die Stadt in die Hände der Muslime. Von 1097 bis 1144 unter fränkischer Herrschaft, wurde Edessa 1147 von den Osmanen geplündert. In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Herrschaft häufig. 1637 wurde Edessa in das Osmanische Reich eingegliedert und in Urfa umbenannt. (Heute türkische Stadt im Grenzgebiet.

Man fragt sich hier, warum flohen die Christen gerade in dieses ferne Königreich? Bestanden hier irgendwelche Verbindungen des Herrscherhauses zu den Christen? Aufschluss kann uns hier eine Schrift mit dem Titel „Briefwechsel zwischen Abgarus Ukkama Fürst von Edessa und Jesus von Nazareth“ geben. Aus dem Nachwort dieses kleinen Buches, folgende aufschlussreichen Informationen.

Es steht geschichtlich fest, daß ein König namens Abgar von Ukkama als 15. König das Königreich Osrhoene regiert hat. Und zwar leitete er nach der Chronik von Edessa zweimal die Geschicke seines Landes als Landesfürst: zunächst vom Jahre 4 v.Chr. bis zum Jahre 7 n.Chr., und zum zweiten Male vom Jahre 13 n.Chr. bis 50 n.Chr. (3) Abgar, syrisch abgär, awgär, griechisch Abgaros oder Augaros, ist ein Eigenname semitischen Ursprungs (4). Syrische Sprachkenner sehen in Abgär ein Synonym von hagirä „hinkend“. Vielleicht war es wegen dieses körperlichen Zustandes, daß er den Wunsch hegte, der große Wundertäter aus Palästina möge ihn von diesem seinem langjährigen Leiden befreien. Des Königs Beiname war Ukkama, oder besser ükhäma, d. h. der „Schwarze“. Im Griechischen wurde daraus Ouchama oder Ouchaniäs (5). In der syrischen Kirche galt die Tradition vom Briefwechsel Jesu mit König Abgar als eine unbestreitbare Tatsache. Syrische Dokumente aus frühchristlicher Zeit berichten davon. Die syrische Liturgie erwähnt den Briefwechsel als eine geschichtliche Gegebenheit. Die „Doctrjna Addai“, wahrscheinlich aus dem 4. Jahrhundert, übernimmt die alte Tradition und weitet sie aus. Bemerkenswert ist auch, daß es in Edessa bereits vor dem Jahre 170 eine bedeutende Christengemeinde gab. Es müssen also dorthin bereits sehr früh christliche Glaubensboten gekommen sein, die dort offene Herzen für die Lehre Jesu Christi fanden. (6)

Rubens Duval weist auch in seiner „Histoire politique, religieuse et litteraire d‘Edesse“ darauf hin, daß die alte Tradition vom Briefwechsel Jesu mit Abgar stets ein weites Echo im Orient gefunden hat. (7)

Der hervorragendste Zeuge für die Echtheit des Briefwechsels Jesu mit Abgar ist jedoch Eusebius von Cäsarea (gest. 339). „Eusebius steht an der Wende zweier Weltalter. Mit seiner Bildung, seinen Interessen und seinen den Ertrag der Vergangenheit zusammenfassenden Werken gehört er noch der vornizänischen Zeit an, als Bischof und Kirchenpolitiker steht er inmitten der .. . neuen konstantinischen Epoche. Um 263 in Palästina, vielleicht in Cäsarea geboren, erhielt er am Sitz der von Origenes begründeten Schule und berühmten Bibliothek durch Pamphilius ... seine gelehrte Bildung... 313 wurde er Bischof von Cäsarea und gewann großen Einfluß auf Kaiser Konstantin wegen seiner Gelehrsamkeit ... Eusebius lebt für alle Zeiten fort als der große Geschichtsschreiber des christlichen Altertums ... Sein Hauptwerk ist seine zehn Bücher zählende Kirchengeschichte von der Gründung der Kirche bis zum Siege Konstantins über Licinus (324)... Zwar vermag Eusebius noch kein genetisch entwickeltes Geschichtsbild zu zeichnen; in der Hauptsache bietet er eine Materialiensammlung, worin Tatsachen, Exzerpte aus der altchristlichen Literatur und Aktenstücke in bunter, meist aber chronologischer Folge aneinandergefügt sind. Schon vor Beginn der Diokletianischen Verfolgung (303) wurde das Werk in sieben Büchern veröffentlicht. Die sich rasch ablösenden neuen, welt-geschichtlich so entscheidenden Ereignisse zwangen ihn jedoch, mehrere Erweiterungen und Fortsetzungen anzufügen ... Die Kirchengeschichte wurde wohl noch im 4. Jahrhundert ins Syrische und danach später ins Armenische übersetzt. 403 fertigte Rufinus eine lateinische Übersetzung an und führte die Darstellung bis 395 fort.“ (8)

Nach C. Verschaffel darf Eusebius von Cäsarea der „Christliche Herodot“ und der „Vater der Kirchengeschichte“ genannt werden. Er habe eine unvergleichliche geschichtliche Kenntnis der ersten christlichen Jahrhunderte besessen. (9)

Dieser hervorragende Geschichtskenner Eusebius von Cäsarea ist es nun, der einen eingehenden Bericht gibt über den Briefwechsel Jesu mit König Abgar. Eusebius schreibt am Ende des 1. Buches seiner Kirchengeschichte, er habe diesen Briefwechsel in den Archiven der Stadt Edessa gefunden. In dieser königlichen Urkundensammlung seien die geschichtlichen Schriftstücke über die Ereignisse der Stadt Edessa und über die Regierungszeit des Königs Abgar aufbewahrt. Er habe mit großer Sorgfalt den Briefwechsel Jesu und Abgars aus dem Syrischen ins Griechische übertragen.10) Diesem Bericht läßt Eusebius die Übersetzung der zwei ersten Briefe folgen. Der Leser der „Kirchengeschichte“ mag wohl bedauern, daß Eusebius nicht den ganzen Briefwechsel hier veröffentlicht hat. Jedoch muß man bedenken, daß Eusebius nur die geschichtlichen Tatsachen darlegen und beweisen will. Es würde seine Kirchengeschichte zu sehr belastet haben, hätte er darin alle alten Dokumente veröffentlicht. Eusebius weist ja auf die Quelle hin, wo er die Dokumente gefunden hat, so daß jeder, der für weiteres Studium Interesse hat, auf Grund des Quellennachweises die Dokumente eingehend studieren kann. Deshalb sagt Eusebius, daß diese Schriftstücke in der öffentlichen Staatsbibliothek von Edessa zugänglich sind.

Eusebius fügt den beiden Briefen einen Bericht über die Missionstätigkeit eines Thaddäus (oder Addäus) bei, der einer der zwölf Jünger Jesu gewesen und vom Apostel Judas oder Thomas nach Edessa gesandt worden sei, um dort das Evangelium zu verkünden. Dieser Thaddäus habe den König Abgar in der Lehre Christi unterrichtet, ihn geheilt, und dann das Evangelium mit solcher Macht verkündet, daß ein großer Teil des Volkes sich bekehrt habe.

Diese Einzelheiten sind auch berichtet in der sog. Doctrina Addai. Diese in syrischer Sprache verfaßte Schrift enthält auch die beiden ersten Briefe Abgars und Jesu; fügt aber noch den Bericht einer Überlieferung hinzu, nach der ein Bote Abgars für seinen König ein Bild Jesu verfertigt habe.


Quellenangabe:

1 Meyers Großes Taschenlexikon (1981), Bd. III S. 220.
2 Augustinus, Contra Faust. 28,4; De Consensu evangelistarum 1, 7,11.
3 Gutschmid, Untersuchungen über die Geschichte des Königreiches Osrhoene. Mem. der Akad. v. St. Petersburg. Dict. Theol. Cath. Bd. 1. Spalte 67. Stichwort „Abgar“ v. J. Parisot.
4 P. Smith, Thesaurus syriacus. Spalte 477.
5 P. Smith, Thesaurus syriacus. Spalte 477.
6 Bibliotheca Orientalis. Bd. 1. Spalte 393; sowie: Dict. TheoI. Cath. Bd. 1. Spalten 68—72.
7 Extrait du Journal asiatique, Paris, 1892, 5. 81.
8 Berthold Altaner, Patrologie. Freiburg i. Br., Herder, 1938. S. 141-143.
9 Dict. Thol. Cath. V. Bd.; 2. Teil; Spalte 1528.
10 Migne, Patr. Graeca 20, 121-124. 136. 137.


Soweit die Hinweise aus dem im Lorber-Verlag 74321 Bietigheim erschienenen Taschenbuch. In der Folge konnte auf diesem Fundament eine stabile christliche Gemeinde erstehen, die sich auch des Schutzes der nachfolgenden Könige gewiss sein konnte. Dies geht aus den weiteren Daten hervor.

177
Duldung der Christen unter König Abgar VIII. in Edessa. Eine Zeitlang scheint Abgars Tiara auf Münzen tatsächlich das christliche Kreuz aufzuweisen (British Museum Edessa, Cat. 13).

213 - 214
Der römische Kaiser Caracalla lässt Edessa erobern und umbenennen in „Colonia Edessenorum“ Ein christlicher Bischof mauert das Grabtuch in einer Nische über dem Westtor der Stadtmauer ein.

312
28. Oktober. Konstantin 1. siegt an der milvischen Brücke gegen eine zwei- oder dreifache Übermacht seines Gegners Maxentius. Konstantin 1. schreibt diesen Sieg einer Vision zu, bei der er vor der Schlacht am Himmel ein Kreuz mit den Worten „Hoc vince“ (durch dieses Zeichen siege) gesehen habe.

313
Toleranzedikt von Mailand. Konstantin 1., der Kaiser des Westens, und Licinius, der Kaiser des Ostens, gewähren „...sowohl den Christen als auch überhaupt allen Menschen freie Vollmacht, der Religion anzuhängen, die ein jeder für sich wählt...“. Die Kreuzigung als Todesstrafe wird endgültig abgeschafft.

544
Schwere Überschwemmung in Edessa, die die Zerstörung praktisch aller größeren öffentlichen Gebäude verursacht. Während der Arbeiten am Wiederaufbau wird ein Tuch entdeckt, das in einer Nische über dem Westtor versteckt liegt. Es wird mit dem Abdruck eines gottgeschaffenen, nicht von Menschenhand gemachten Bildes von Christus aufgefunden (Evagrius, Historica Ecclesiastica: Migne, Patrologia graeca, LXXXVI/2, Sp. 2748-49). Kaiser Justinian lässt in Edessa die Kirche „Hagia Sophia“ errichten, in der das Grabtuch zentrale Reliquie ist.

Ab 544
Es tritt ein Wandel in der Art ein, wie Christus in der Kunst dargestellt wird. In der Spätantike wurde Christus bartlos und wie ein junger Gott abgebildet. Nunmehr wird Jesus auf Gemälden, Fresken, Mosaiken, Vasen und Münzen mit langen Haaren, Mittelscheitel und Bart dargestellt. Diese Art der Darstellung orientierte sich an dem Abbild auf dem Grabtuch.

639
Die Sarazenen erobern Jerusalem und Edessa. Edessa schließt einen Bündnisvertrag und erhält die Duldung der christlichen Religion als „dhimmi“ (Schützlinge). Dennoch Arabisierung und Islamisierung der Stadt.

678
Die Kirche Hagia Sophia von Edessa mit dem Grabtuch wird durch ein Erdbeben beschädigt. Der muslimische Kalif Muawiya lässt die christliche Kirche wiederherstellen (Arabischer Chronist Baladhuri). Seitdem Auftreten eines arabischen Wortes für das Grabtuch „mandil“ (Tuch). Übernahme des Lehnworts in die späthellenische Sprache als “mandylion“. Von dort weiterer Import in die Mittelmeersprachen: Genua: mandillo, Abruzzen: mandile, Kastilien: mantel.

942
Die byzantische kaiserliche Armee unter Führung von General Johannes Kurkuas belagert Edessa. In Verhandlungen erreicht der spätere Kaiser Konstantin VII. Porphyrogennetos im Austausch für einen Rückzug, der Freilassung von 200 muslimischen Gefangenen, sowie einer Friedensgarantie, die Herausgabe des Grabtuchs.

944
15./16. August: Einzug des Grabtuchs in Konstantinopel. Homilie Gregors, des Erzdiakons und Referendars der großen Kirche von Konstantinopel (Cod. Vat. Gr. 511, fol. 143-150; X. Jh.).

950
Der Arzt Smera erhält einen alten syrischen Text über das acheiropoietos. Demnach wurde König Abgar von Edessa ein „linteum“ (Leinen) übergeben, „faciei figuram sed totius coporis figuram cernere potis“ auf dem man nicht nur ein Gesicht, sondern den ganzen Körper sehen kann. (Vatikanischen Bibliothek, Königl. Bib. Leiden).

Ca. 1128 - 1140
Der britische Mönch und Chronist Ordericus Vitalis berichtet in seiner Historia Ecclesiastica (Migne, Patrologia latina, Bd. 188, Sp. 690) „Abgar regierte als Toparch von Edessa. Ihm sandte der Herr Jesus ein kostbares Tuch, mit dem er den Schweiß von seinem Angesicht trocknete und auf welchem die Züge des Heilands auf wunderbare Weise abgebildet erstrahlt. Dieses führt denen, die es anschauen, Gestalt und Größe des Leibes unseres Herrn vor Augen“
Das Decretum Gelasianum der katholischen Kirche hat im Jahr 494 einen angeblichen Briefwechsel zwischen Jesus und König Abgar V. von Edessa zu den Apokryphen (historisch nicht gesichert) gerechnet. Dies bedeutet jedoch nicht, dass König Abgar V. oder einem seiner Nachfolger nicht dennoch das Grabtuch geschenkt oder zur sicheren Aufbewahrung übergeben sein könnte; nur nicht von Jesus selbst.

Um 1150
Vorführung des Grabtuchs vor ungarischen Diplomaten wegen Heiratsverhandlungen zwischen der Tochter des byzantinischen Kaisers Manuel Komnenos und des Sohnes des ungarischen Königs. In dem zu diesem Anlass angefertigten Codex Pray (Budapest) werden vier Löcher wiedergegeben, die in der Form eines L angeordnet und auf dem Grabtuch von Turin auf der linken Seite zu sehen sind.

1203
20. April 1203. Das Kreuzfahrerheer, welches eigentlich für die Eroberung Ägyptens vorgesehen ist, wird von Alexios IV., dem Sohn des gestürzten byzantinischen Kaisers Isaak II. gegen eine stattliche Entlohnung zur Hilfe gerufen, um Kaiser Alexios III., der dort die Macht übernommen hatte, zu vertreiben.
2. Juli. Gegen den ausdrücklichen Willen von Papst Innozenz III. erobern die Kreuzfahrer Konstantinopel. Kaiser Alexios III. flieht; Kaiser Isaak II. und sein Sohn Alexios IV. kehren auf den Thron zurück. Der Ritter Robert de Clari berichtet über einen Empfang, bei dem das Grabtuch vorgezeigt wird (Königliche Bibliothek Kopenhagen). Während die Kreuzfahrer auf die versprochene Entlohnung warten, die allerdings nicht bezahlt wird, kommt es zu immer größeren Spannungen, die zur Ermordung Alexios IV. durch den neuen Kaiser Alexios V. führen. Dieser verweist die Kreuzfahrer aus Konstantinopel.

1204
13. April 1204. Die immer noch nicht entlohnten Kreuzfahrer erobern wiederum Konstantinopel. Kaiser Alexios V. wird auf der Flucht getötet; es kommt anschließend zu einer der größten Plünderung der Geschichte mit vielen Toten. Das Byzantinische Reich wird für beendet erklärt und das Lateinische Kaiserreich gegründet. Nach dem Grabtuch suchen die Eroberer gezielt aber vergeblich (Robert de Clari: „Weder Griechen noch Franzosen wussten, was daraus geworden ist‘).

1205
1. August. Ein Verwandter des letzten byzantinischen Kaisers, Theodoros Angelos Komnenos beschwert sich schriftlich bei Papst Innozenz III. über die Plünderungen und fordert Rückgabe von geraubten Sakralgegenständen; nach seiner Kenntnis sei das Grabtuch in Athen. (Dokument Nationalbibliothek Palermo, Codex Chartularium Culisanense, Fol. CXXVI, zerstört durch US-Bombardierung 1943, in Abschrift erhalten).

1356
28. Mai. Die von Geoffroy de Charny gegründete Stiftskirche in Lirey wird geweiht
19. September. Geoffroy de Charny fällt in der Schlacht von Poitiers gegen England.

1357
Erste bekannte Ausstellungen der Grabtuches von den Stiftsherren in Lirey in ganzer Länge. Bischof Henri de Poitiers beginnt eine Untersuchung über die Art des Grabtuches und befiehlt die Einstellung von Ausstellungen. Jeanne de Vergy, die Witwe von Geoffroy de Charny heiratet den wohlhabenden Edelmann Aymon de Geneve.

1389
Geoffroy II. de Charny, der Sohn des am 13. September 1356 gefallenen Geoffroy de Charny bittet Gegenpapst Clemens VII. (vorher Robert de Geneve) um die Erlaubnis, das Grabtuch wieder in Lirey auszustellen. Pierre d‘Arcis, Bischof von Troyes, beschwert sich bei Clemens VII. darüber, dass er nicht vorab konsultiert worden war. Clemens VII. unterstützt die Ausstellungen und befiehlt Bischof d‘Arcis „ständiges Stillschweigen“

1390
6. April. Clemens VII. besteht noch einmal darauf, dass Bischof d`Arcis schweigt, droht ihm mit Exkommunikation.

1398
22. Mai. Geoffrey II. de Charny stirbt.

1418
Juni. Margareta de Charny heiratet Humbert de Villersexel, Grafen de la Roche.
6.Juli. Wegen Gefahren von marodierenden Banden übergeben die Stiftsherren von Lirey das Grabtuch an Humbert de Villersexel zur sicheren Aufbewahrung. Er empfängt es auf seiner Burg in Montfort. Später wird es in Saint-Hippolyte-sur-Doubs verwahrt, dem Sitz der Grafen de la Roche, in der Kapelle des Buessarts.

1438
Tod von Humbert de Villersexel.

1443
9. Mai. Das Parlament in Dole fällt ein Urteil zugunsten der Stiftsherren von Lirey gegen Margareta de Charny auf Herausgabe des Grabtuches.

1447
18. Juli. Der Gerichtshof von Besancon bestätigt das Urteil des Parlament in Dole von 1443.

1453
22. März. Obwohl die kinderlose Margareta de Charny zur Herausgabe des Grabtuches an die Stiftsherren von Lirey verpflichtet ist, tauscht sie das Grabtuch gegen das Schloß Verambon bei Genf und die Einkünfte aus dem Gut Miribel bei Lyon ein. Ihr Tauschpartner ist Herzog Ludwig 1. von Savoyen.

1457
29. Mai. Margareta de Charny wird mit Exkommunikation bedroht, wenn sie das Grabtuch nicht an die Stiftsherren von Lirey herausgibt.

1459
30. Mai. Der Exkommunikationsbrief wird gesandt. Charles de Noyers, verhandelt erfolgreich über eine Kompensation an die Stiftsherren von Lirey. Die Exkommunikation wird daraufhin aufgehoben.

1460
7 Oktober. Tod von Margareta de Charny.

1464
6. Februar. Die Stiftsherren von Lirey erhalten von Herzog Ludwig 1. von Savoyen eine Kompensation von 50 Goldfranken für den Verlust des Grabtuches.

1502
11. Juni. Das Grabtuch wird in der Kapelle des Schlosses von Chambery untergebracht.

1506
21. April. Papst Julius II. setzt den 4. Mai als jährlichen Feiertag des Grabtuches fest.

1532
4. Dezember. Das Grabtuch wird beim Brand der Savoyer Residenz Chambery in Frankreich schwer beschädigt; das Abbild des Leichnams wird jedoch nicht in Mitleidenschaft gezogen.

1534
15. April - 2. Mai. Die Brandflecken werden von Klarissinnen-Nonnen ausgebessert.

1537
Das Grabtuch wird wegen einer französischen Invasion zur Sicherheit in die Schatzkammer der Eusebius–Kathedrale nach Vercelli geschafft.

1561
3. Juni. Das Grabtuch wird wieder nach Chambery zurückgeführt.

1578
14. September. Das Grabtuch wird zur Verehrung durch den heiligen Karl Borromäus, der durch Gebete die Pest aus Mailand vertreiben will, nach Turin überführt. Dies ist Teil einer vorbedachten Maßnahme von Emmanuel Philibert, Herzog von Savoyen, der seinen Sitz von Chambery nach Turin verlegen will.

1694
1. Juni. Das Grabtuch wird in die von Guarini erbaute Cappella della Santa Sindone gebracht.

1898
25. Mai - 1. Juni. Aus Anlass der 50-Jahr-Feier des italienischen Königreiches wird das Grabtuch acht Tage lang ausgestellt. In dieser Zeit konnte Secondo Pia das erste Photo machen.

1931
3. bis 24. Mai. Ausstellung. Anlass: Hochzeit des italienischen Prinzen Umberto II. Neue Photographien durch Giuseppe Enrie. Damit sollen die Arbeiten von Secondo Pia fachlich überprüft werden, da ihm vorgeworfen wurde, die Bilder von 1898 gefälscht zu haben. Kontrolle der Aufnahmen im Beisein von Fachleuten und einem Notar. Die Ergebnisse zur Negativdarstellung sind die gleichen wie bei Pia, nur noch schärfer als vorher.

1972
1. Oktober. Ein Unbekannter klettert über das Dach des herzoglichen Palazzos, bricht in die Kapelle ein und legt Feuer an den Altarschrein, in welchem das Tuch aufbewahrt wurde.

1983
Der italienische Exkönig Umberto II. von Savoyen stirbt. Der Apostolische Stuhl in Rom wird durch Erbschaft Eigentümer des sich seit 530 Jahren im Privatbesitz der Savoyer befindlichen Grabtuches von Turin.

1997
19. April. Brandanschlag auf die Kapelle. Nur dem Einsatz des Feuerwehrmannes Mario Trematore, der solange auf das Panzerglasgehäuse einschlug bis es zerbrach, ist es zu verdanken, dass das Tuch heute noch existiert.

Wir sehen, es wurde immer wieder versucht dieses Tuch zu zerstören oder zu verbergen, um einen der wissenschaftlichsten Beweise für das Leben und Sterben Jesu zu beseitigen.




Das Turiner Grabtuch - Die Pollenanalysen


Die Pollenanalysen von 1973 bis 1998

Beginnend mit der Untersuchung des Kriminologen Dr. Max Frei (Schweiz), dem Leiter des wissenschaftlichen Laboratoriums der Züricher Kantonaispolizei, im Jahre 1973 wurden von dem Grabtuch von Turm durch den Gerichtsmediziner Dr. Baima Bollone (1990) von der Universität Turin sowie durch Dr. Avinoam Danin und Dr. Uri Baruch von der Hebräischen Universität Jerusalem (2000) Pollen entnommen und wissenschaftlich analysiert.
Durch die Identifizierung von Pollen sind Rückschlüsse aufdie Herkunft des Grabtuches möglich, da Pollen sehr widerstandsfähig sind und Jahrtausende fast unverändert überstehen. Die äußere Schicht der Pollen (Exine) besteht aus extrem widerstandsfähigen Verbindungen aus Kohlenwasserstoffketten. Dies führt dazu, dass die Pollen wasser- und gasundurchlässig sind, Verdauungen und verschiedensten chemischen Verbindungen widerstehen und sogar größerem Druck standhalten können, ohne sich zu verformen.
Nach dem bisherigen Stand der Forschungen konnten über 50 Pollenarten identifiziert werden, unter denen sich auch die nachfolgenden befinden (Auszug):

Gattung

Beschreibung und allgemeines Vorkommen

Anabasis aphylla L.

Gänsefußgewächs; Wüsten- und Salzsteppenpflanze; Südostpersien, Arabien, Krim, Südpalästina, Marokko

Alnus glutiosa    Schwarzerle

Europa, Westasien, Sibirien, Japan

Acasia albida   Akazie

Wüstenpflanze, sehr häufig im Jordantal und um das Tote Meer

Artemisa alba   Kampferbeifuß

Halbwüstenpflanze; Iran, Syrien, Arabien, Nordafrika, Sinai

Atraphaxis spinosa. Bocksknöterich

Pflanze der Felswüsten der iranisch-turanischen Region

Capparis   Kapernstrauch

Halbwüstenpflanze, häufig auf Felsschutt, Klippen und Meeren; Iran, Mesopotamien, Anatolien und östlicher Mittelmeerraum

Carduuspersonata Jacquin
 Bergdistel

Feuchtigkeitsliebende Pflanze, Südosteuropa

Carpinus betulus    Hainbuche

Pflanze halbfeuchter Standorte, Mittel- und Südeuropa

Cetrus libani      Libanonzeder

Aus den Gebirgen im südöstlichen Mittelmeerraum stammend; heute weit über Europa verbreitet

Corylus avellana    Haselnuss

Europa, Westasien

Cupressus sempervirens 
Zypresse

Ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum; heute weit über Europa verbreitet

Echinops glaberrimus   Kugeldistel

Pflanze arabischer Wüstenregion; häufig in Felswüsten

Epimedium pubigerium
Sockenblume

Schattenpflanze aus Südosteuropa

Fogonia mollis

Jochblattgewächs, Wüstenpflanze; Sahara, Arabien

Fagus silvatica         Rotbuche

In ganz Europa verbreitet

Glaucium grandiflorum   Hornmohn

Heimisch in Steppen, Fels- und Sandwüsten; iranisch-turanische Region



Obwohl viele der vorgenannten Pollen von Pflanzen stammen, die praktisch in allen Regionen vorkommen, in denen sich das Grabtuch von Turin befand, sind bislang auch solche Pollen identifiziert worden, die eindeutig Pflanzen zuzuordnen sind, die nicht in Frankreich und Italien, sondern nur in Konstantinopel oder sogar nur im Heiligen Land gefunden werden können. Die Spur der Pollen belegt auch hier die Reise des Grabtuches. Die biologische Forschung geht daher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass das Grabtuch von Turin, irgendwann im Laufe seiner Geschichte auch im Heiligen Land gewesen sein muss.

Der Radiokarbontest von 1988

Am 21. April 1988 wurde von dem linken unteren Ende des Grabtuches ein ca. 1cm x 7cm breiter Streifen entnommen und Instituten in Tucson/Arizona, Oxford und Zürich zur Datierung übergeben. Das Ergebnis der Altersbestimmung des Turiner Grabtuches wurde offiziell am 13. Oktober 1988 bekannt gegeben:

Material

68% aller Messwerte

95% aller Messwerte

Probestück vom Grabtuch

1273 bis 1288

1262 bis 1312

Probestück aus einem nubischen Grab (11. Jahrhundert)

1032 bis 1048

1026 bis 1160

Probestück aus dem Grab der Kleopatra (1. Jahrhundert)

11 bis 64

9 bis 78

Fäden aus dem Chormantel des Ludwigs von Anjou (1300)

1268 bis 1278

1263 bis 1283

Bei den Daten in den beiden Spalten handelt es sich um 68% bzw. 95% aller gemessenen Ergebnisse, weil bei einem Radiokarbontest stets mit „Ausreißern“ zu rechnen ist, die das Ergebnis hätten verzerren können.

Funktionsweise des Radiokarbontests:

Jede Pflanze nimmt zu ihrem Aufbau das in der Luft zu etwa 0,03 % enthaltene Kohlendioxid (CO2) auf. Ein äußerst geringer Teil des in der Natur vorkommenden Kohlenstoff ist radioaktiv: Das Kohlenstoffisotop C14 hat eben 14, statt wie sonst 12 oder 13 Neutronen in seinem Atomkern. Es ist darum geringfügig schwerer.

Die Institute, die das Grabtuch untersuchten, gingen davon aus, dass bei denjenigen Pflanzen, aus denen durch Weiterverarbeitung das Grabtuch entstand, der natürliche Stoffwechsel einen normalen Gehalt an C14-Kohlenstofflsotopen bewirke. Die Zufuhr des Kohlenstoffisotops C14 sei mit der Herstellung des Grabtuches allerdings gestoppt worden, da die Pflanzen logischerweise bei der Weiterverarbeitung nicht mehr lebten und demnach keinen Stoffwechsel mehr mit ihrer Umwelt hatten. Also hätten auch keine weiteren C14-Kohlenstoffisotope mehr zugeführt werden können, so dass das Alter des Grabtuches sich nach dem dann eintretenden Fortschritt des Verfallsprozesses des Kohlenstoffisotops C14 bestimmbar sei.

Wissenschaftliche Kritik an den 1988 durchgeführten Radiokarbontests

Die wissenschaftliche Kritik bemängelte an der tatsächlich durchgeführten Untersuchung ihre fehlende Nachvollziehbarkeit. So wurde entgegen dem Auftrag das Testergebnis ohne eine notwendige wissenschaftliche Begründung einfach in einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Eine vorab vereinbarte Überprüfung der Identität der verschiedenen Teststücke wurde erst gar nicht mehr durchgeführt. Des weiteren waren die Untersuchungen ohne jede Absprache für unbeteiligte Dritte, jedoch nicht für den eigentlichen Auftraggeber, den Apostolischen Stuhl, zugänglich. Zeitgleich mit der Veröffentlichung der Testergebnisse veröffentlichte Dr. David Sox ein Buch mit dem Titel: Das Grabtuch entlarvt. Die Enthüllung der größten Fälschung aller Zeiten‚ in welchem er ausführlich Einzelheiten über die Durchführung der Radiokarbontests berichtete.

(Hier lag also zeitgleich mit dem Ergebnis schon ein fertiges Buch vor, welches die angebliche Enthüllung der größten Fälschung aller Zeiten beinhaltet. Grundlage für die angebliche Enthüllung war alleine der Radiokarbontest. Alle anderen wissenschaftlichen Disziplinen wurden hier außer acht gelassen und nicht berücksichtigt. Man spricht in solch einem Fall von vernageltem Silodenken oder –forschen. Der Leser sollte sich aber aufgrund aller bisher dargelegten Fakten selbst ein Urteil bilden. Auf jeden Fall stand für Dr. David Sox, den Leiter der Prüfung das Ergebnis schon vor der dem Abschluss der Untersuchung fest, da er ja vorher schon wochenlang an seinem Buch über die Entlarvung „der größten Fälschung aller Zeiten“ gearbeitet hat. Auch hier arbeitete der Antichrist mit seinen Methoden und Vasallen.)


Zusätzlich wurde das vom Grabtuch abgetrennte Stück von anderen Wissenschaftlern, als für die Karbondatierung „nicht geeignet“ kritisiert, da der an der unteren linken Ecke vom Grabtuch abgetrennte Streifen sehr starke Verunreinigungen aufwies. Diese Verunreinigungen seien im Laufe der Jahrhunderte aufgrund zahlreicher Vorführungen eingetreten, die zum Zwecke der Verehrung durchgeführt worden waren. Durch das Hochhalten des Grabtuches während dieser Vorführungen seien u.a. Schweiß sowie Bakterien der jeweiligen Priester (organisches Material) auf die Enden des Grabtuches gelangt, die eine Zufuhr von weiteren C14-Kohlenstoffisotopen zur Folge gehabt hätten. Dieser Effekt sei nicht durch Reinigen der Teststücke rückgängig zu machen gewesen, da radioaktive Isotope nach mehreren Jahrhunderten nicht einfach „auswaschbar“ sind. Somit seien deutlich mehr C14-Kohlenstofflsotope auf dem Teststück des Grabtuches zu finden gewesen, als dies die Institute bei ihren Berechnungen vorausgesetzt hatten. Eine Auskunft über das Alter des Grabtuches sei alleine durch einen Radiokarbontest nicht möglich.

Wissenschaftlich anerkannte Untersuchungen aus dem Jahre 2011 ergaben jedoch, dass die Stelle, von der 1988 die Stoffprobe entnommen wurde,  eine entscheidende Rolle spielte, denn es handelte sich hierbei um ein nachträglich, kunstvoll eingewebtes Flickstück. Die bisherigen Ergebnisse der Radiokarbon-Datierung sind dadurch infrage gestellt.













Weitere Literatur zum Thema:
1997 > „Neuste Erkenntnisse über das Turiner Grabtuch – Auch Atomforschung erweist die Echtheit“ von Wolfgang Waldstein, Christiana Verlag, Stein am Rhein.
1998 > „Und das Grabtuch ist doch echt“ von Maria Grazia Siliato, Pattloch Verlag
2003 > „Die Passion Christi – Das Turiner Grabtuch „von Ilona Oertl, Verlag A. Schmid, Durach