Jakob Lorber (1800-1864)

 


 Am linken Drauufer inmitten von Weinbergen in der Ortschaft Kanischa der Pfarre Jahring (untere Steiermark, heute Slowenien), wo der Vater Michael Lorber seine Bergholdengründe bewirtschaftete, wurde Jakob Lorber am 22. Juli 1800 geboren. Und nicht zufällig — so darf man mit Bestimmtheit annehmen - wuchs er in einem armen, jedoch für Kunst und Religion offenen Haus in dieser ländlichen Umgebung heran. Von seinem Vater hatte er eine vielseitige musikalische Begabung geerbt und von ihm erhielt er auch die erste Ausbildung im Geige-, Klavier- und Orgelspiel. Als Jakob Lorber dann das Gymnasium in Marburg an der Drau besuchte, verdiente er sich die nötigen Mittel dazu bereits als Organist in einer der Stadtkirchen. Sein Diplom als Hauptschullehrer erwarb er 1829 in Graz, der steiermärkischen Landeshauptstadt, wo er aber keine entsprechende Anstellung fand, so dass er weiterhin intensive Musikstudien betrieb, komponierte, Gesangs- und Violin-Unterricht gab und gelegentlich auch öffentliche Konzerte.
Während dieser Jahre schlug Jakob Lorber, seiner Neigung zu geistiger Vertiefung folgend, aber auch den „Weg nach innen“ ein und las u.a. Justinus Kerner, Jung-Stilling. Swedenborg, Jakob Böhme und Johann Tennhardt. Niemals aber trennte er sich von der Bibel, die ihm bis an sein Lebensende eine Quelle der Kraft und geistigen Inspiration blieb.
Als ihm, der trotz seiner vielen Fähigkeiten nur ein bescheidenes, ja oft ärmliches Leben führte, eine Kapellmeisterstelle an der Oper in Triest angeboten wurde, hoffte er endlich auf Verbesserung seiner Lebensverhältnisse. Doch inmitten seiner Abreisevorbereitungen erhielt er seine Berufung zum „Schreibknecht Gottes“. Am frühen Morgen des 15 März 1840 – er hatte gerade sein Morgengebet beendet – hörte er ganz unverhofft die Stimme Gottes in seinem Herzen die ihm sagte:“ Steh auf, nimm deinen Griffel und schreibe!“ Diese Stimme war so eindringlich und klar die Stimme seines Geliebten, dass jeder Zweifel ausgeschlossen war und sich für Jakob Lorber ein weiteres Nachsinnen über den Ursprung dieser Aufforderung erübrigte. Eine Eigenart, die sich auch vielfach bei den Propheten des alten Bundes beobachten lässt. So setzte er sich gehorsam mit Papier und Griffel an den Tisch und schrieb nieder, was ihm diese Stimme diktierte. Es war die Einleitung zu dem ersten Werk eines umfangreichen Schrifttums, das J.Lorber im Verlaufe der nächsten 24 Jahre zu Papier bringen sollte. Die ersten Zeilen waren die Einleitung zur „Haushaltung Gottes“ und lauteten:

„So sprach der Herr zu und in mir für jedermann, und das ist wahr, treu und gewiss: Wer mit mir reden will, der komme zu Mir und Ich werde ihm die Antwort in sein Herz legen; jedoch die Reinen nur, deren Herz voll Demut ist, sollen den Ton Meiner Stimme vernehmen.
Und wer Mich aller Welt vorzieht, Mich liebt wie eine zarte Braut ihren Bräutigam, mit dem will Ich Arm in Arm wandeln. Er wird Mich allezeit schauen wie ein Bruder den anderen Bruder, und wie Ich ihn schaute schon von Ewigkeit her, ehe er noch war.“

Lorber lehnte nach diesem Ereignis die ihm angebotene Stelle in Triest unverzüglich ab und diente Gott von dieser Stunde an, die nächsten 24 Jahre bis zu seinem Tod, als demütiger „Schreibknecht“, wie er sich stets nannte, wenn die Menschen ihn mit Ehre oder geistigen Titeln behängen wollten.

Die Werke durch Jakob Lorber nach den Entstehungsjahren:  

Die Haushaltung Gottes, 3 Bände
Die Urschöpfung der Geisterwelt, die Entstehung der materiellen Welten die Erschaffung des Menschengeschlechts und ihre Geschichte bis zur vorderasiatischen Sündflut

1840/44

Pathiel

1840

Der Mond

1841

Der Saturn 

1841/42

Die Fliege   

1842

Der Großglockner 

1842

Die natürliche Sonne
Dieses Werk gibt eine genaue Beschreibung der Gestalt und des Aufbaus unserer Sonne, sowie eine sinnvolle Erklärung vom Wesen des Lichts und seiner Kräfte

1842

Die geistige Sonne, 2 Bände
Ein Werk über die Ordnungen und Entsprechungswege in den jenseitigen Welten. Es erklärt die Zusammenhänge zwischen den materiellen und den geistigen Schöpfungen

1842/43

Schrifttexterklärungen

1843

Die Jugend Jesu
Das wiedergegebene, vollständige Jakobusevangelium, das nur noch in kleinen Fragmenten vorlag und darum nicht in die Bibel aufgenommen wurde. Es berichtet ausführlich über die Geburt, und die Kindheit und Jugend Jesu.

1843/44

Der Briefwechsel Jesu mit König Abgarus

1844

Der Laodizenerbrief des Apostels Paulus                                        

1844

Die Erde

1846/47

Bischof Martin
Die Führungen eines gestorbenen Bischofs in der jenseitigen Welt

1847/48

Von der Hölle bis zum Himmel 2 Bände
Eine Schilderung des jenseitigen Schicksalsweges des bekannten, im Jahre1848 in Wien erschossenen Freiheitskämpfers Robert Blum

1848/51

Die drei Tage im Tempel
Der junge Jesusknabe bringt die Schriftgelehrten mit seiner Weisheit zum Staunen

1859/60

Das große Evangelium Johannes 10 Bände
In diesem großen Werk begleitet der Leser Jesus während seiner drei Lehr- und Wanderjahre auf eine so lebendige Art und Weise, als wäre er selbst einer der Jünger des Herrn. Was uns in der Bibel nur in Fragmenten aus dem Leben Jesu gegenübertritt, wird hier ausführlich dargestellt.

1851/64


Das Lorberwerk ist zu beziehen beim:

Lorber-Verlag
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Themenhefte

Die Praxis hat gezeigt, dass viele Menschen vor diesem umfangreichen Werk zurückschrecken, zumal sie oft auch nur Aufschluss über ein ganz spezielles Thema wünschen. Da sich das Gesamtbild und Verständnis zu einem Thema aber erst aus vielen Textstellen des Gesamtwerkes herauskristallisiert, haben wir folgende Hefte im A5 Format nach Schwerpunktthemen zusammengestellt. Sie sollen für den Interessierten, den Zugang zum Gesamtwerk Jakob Lorbers erleichtern und einen kleinen Einblick in das Wesen der Neuoffenbarung vermitteln.

Folgende Themenhefte sind zur Zeit bei uns erhältlich:

- Das Reich Gottes – Die Kindschaft Gottes
- Die Lehre Jesu
- Der Tod – Geburt in eine neue Welt
- Die Liebe – Urgrund allen Seins  (folgende Leseprobe 1)
- Das wahre Gebet – Einkehr – Meditation - Stille (folgende Leseprobe 2)

 





Die Gottesliebe

Haush. Gottes 1Band 3;3-5
Die Menschen dieser Erde rief Ich aus dem Zentrum Meines Herzens hervor und schuf sie vollkommen nach Meinem Ebenbilde, und sie sollten nicht nur Meine Geschöpfe, sondern Meine lieben Kinder sein, die Mich nicht als Gott und Schöpfer, sondern nur als ihren guten Vater erkennen sollen, der sie nach kurzer Prüfungszeit wieder ganz zu Sich nehmen will, damit sie da alles haben sollen, was Er Selber hat, und bei Ihm wohnen möchten ewiglich und mit Ihm herrschen und richten möchten das All. Aber siehe, alle Meine Geschöpfe lieben Mich als ihren Schöpfer in dankbarer Freude ihres Daseins; aber Meine Kinder wollen ihren Vater nicht und verschmähen Seine Liebe!
Siehe, Ich bin traurig, wenn Ich sehe, wie stündlich Tausende und tausendmal Tausende dahinwelken und sterben! Oh, wenn Ich ihnen doch nur helfen könnte! Ist es nicht traurig, wenn der Allmächtige nicht helfen kann?!
Du fragst Mich schon wieder, wie denn das möglich sei? O ja, sage Ich dir, das ist sehr möglich! Siehe, alle Meine Geschöpfe hängen an Meiner Macht, aber Meine Kinder hängen an Meiner Liebe! – Meine Macht gebietet, und es geschieht; aber Meine Liebe wünscht nur und gebietet in aller Sanftmut den freien Kindern, und die freien Kinder verstopfen ihre Ohren und wollen nicht das Angesicht ihres Vaters schauen. Daher, weil sie frei sind, wie Ich es bin, kann Ich ihnen nicht helfen, wenn sie es nicht wollen. Denn Meine Macht geht über alles; aber Mein Wille ist Meinen Kindern untertan. Dieses aber soll sich jeder hinter die Ohren schreiben: Ich bin euer Vater, bin aber auch euer Gott, und außer Mir ist keiner mehr. Wollet ihr Mich als Vater – oder als Gott? Eure Taten werden Mir die entscheidende Antwort geben.

Geistige Sonne 1 Band 98;4-5
Der einzig und allein Mir teure und wertvoll angenehme Dank ist ein Mich allzeit über alles liebendes Herz. Ich sage dir, kein Dankopfer, kein Dankgebet, kein Dankgelübde, keine Dankprozession, kein Te Deum laudamus, kein Jubelfest und keine große Dankzeremonie ist Mir angenehm, sondern Ich habe davor einen Ekel wie vor einem stinkenden Aase oder wie vor dem Moderfleische in den Gräbern welches ist voll Gestank und Pestilenz. Aber ein demütiges, Mich allzeit liebendes Herz ist Mir ein unschätzbar köstlicher Edelstein in der unendlichen Krone Meiner ewigen göttlichen Macht und Herrlichkeit und ist Mir auch wie ein Balsamtropfen in Mein liebeheißes Vaterherz gegossen, der Mich über die Maßen erquickt und die Freude Meiner ganzen unendlichen Gottheit ums für dich und vor dir Unaussprechliche erhöht!
Daher bleibe du in deiner Liebe zu Mir und suche ewig nichts anderes, so bist du Mir alles, was du sein sollst, und Ich werde dir auch alles sein, was Ich dir nur immer als dein Gott, Schöpfer, und ewig liebevollster Vater sein kann! Liebe ist das einzige Band zwischen Mir und dir; sie ist die allein wunderbar allmächtige Brücke zwischen Mir, dem ewig allmächtigen, unendlichen Schöpfer, und dir, Meinem endlichen Geschöpfe. Auf dieser Brücke kann Ich zu dir und du zu Mir kommen, wie da kommt ein lieber Vater zu seinen Kindern und die Kinder zu ihrem lieben Vater.

Großes Ev, Joh. 3Band 53;5-10
Gott über alles lieben aber heißt natürlich: Gott und Seinen geoffenbarten Willen erkennen und dann aus wahrer innerer Liebe zu dem erkannten Gott danach handeln und sich daneben gegen jeden Nebenmenschen wegen Gott also verhalten, wie sich ein jeder vernünftige Mensch gegen sich selbst verhält; natürlich ist hier von der reinen und in möglichst höchstem Grade uneigennützigen Liebe, sowohl gegen Gott als eben auch gegen jeden Nächsten, die Rede.
Wie alles Gute einzig darum geliebt werden will, weil es gut ist und darum wahr, so will auch Gott geliebt sein, weil Er allein höchst gut und höchst wahr ist!
Dein Nächster aber muß darum ebenalso geliebt werden, weil er gleich dir das Ebenmaß Gottes ist und gleich wie du einen göttlichen Geist in sich trägt.
Siehe, das ist der eigentliche Grundkern seiner Lehre, und er ist leicht zu beachten, ja um sehr vieles leichter als die tausend Gesetze des Tempels, die zumeist vom Eigennutz der Diener desselben angefüllt sind.
Durch die möglichst genaue Beachtung dieser neuen Lehre wird der im Menschen anfänglich sehr gefesselte Geist freier und freier, wächst und durchdringt endlich den ganzen Menschen und zieht sogestaltig alles in sein Leben, das ein Leben Gottes ist und daher ewig dauern muß, und zwar in der möglichst höchsten Seligkeit!
Ein jeder Mensch aber, der also gewisserart in seinem Geiste wiedergeboren wird, wird nimmer einen Tod sehen, noch fühlen oder schmecken, und die Loswerdung von seinem Fleische wird ihm die höchste Wonne sein.






Die Nächstenliebe

Großes Ev, Joh. 7Band 223;10-13
Je mehr Liebe ein Mensch aber zu Gott und zum Nächsten in sich wird lebendig zu fühlen anfangen, und je barmherziger er in seinem Gemüte wird, desto größer und stärker ist auch schon der Geist Gottes in seiner Seele geworden. Denn die Liebe zu Gott und daraus zum Nächsten ist ja eben der Geist Gottes in der Seele des Menschen. Wie diese zunimmt und wächst, also auch der Geist Gottes in ihr. Ist am Ende der ganze Mensch zur reinen und allerwohltätigsten Liebe geworden, so ist auch schon die völlige Einung der Seele mit dem Geiste aus Gott erfolgt, und der Mensch hat für ewig das von Gott ihm gestellte allerhöchste Ziel des Lebens erreicht.
Gott Selbst ist in Sich ja die allerhöchste und reinste Liebe, und also ist es auch der jedem Menschen zukommende Geist aus Gott. Wird die Seele durch ihr freies Wollen ganz ähnlich der Liebe des Geistes aus Gott, so ist es dann ja auch klar, daß sie mit dem Geiste aus Gott in ihr eins wird. Wird sie aber das, dann ist sie auch vollendet. Nun, dafür aber läßt sich keine genaue Zeit bestimmen, sondern das muß der Seele ihr eigenes Gefühl sagen und anzeigen.
Die wahre, reine und lebendige Liebe ist in sich höchst uneigennützig; sie ist voll Demut, ist tätig, ist voll Geduld und Erbarmung; sie fällt niemals jemandem unnötig zur Last und duldet alles gerne; sie hat kein Wohlgefallen an der Not ihres Nächsten; aber ihre rastlose Mühe ist, daß sie helfe jedermann, der einer Hilfe bedarf.

Großes Ev, Joh.1Band 221;7-12
Leget eure Hände auf euer Herz und merket es, wie es in einem fort Tag und Nacht tätig ist! Von solcher Tätigkeit aber hängt ja das Leben des Leibes alleinig ab; so das Herz aber einmal stillzustehen anfängt, da – meine Ich – dürfte es etwa mit dem natürlichen Leben des Leibes wohl gar sein! Wie aber die Ruhe des leiblichen Herzens offenbar der volle Tod des Leibes ist, also ist auch die gleiche Ruhe des Seelenherzens der Tod der Seele!
Das Herz der Seele aber heißt Liebe, und das Pulsen desselben spricht sich in wahrer und voller Liebtätigkeit aus. Die unausgesetzte Liebtätigkeit ist demnach der nie zu ermüdende Pulsschlag des Seelenherzens. Je emsiger aber das Herz der Seele pulst, desto mehr Leben erzeugt sich in der Seele, und so dadurch ein hinreichend hoher Lebensgrad in der Seele sich erzeugt hat, so daß er dem göttlichen, allerhöchsten Lebensgrade gleichkommt, so weckt solch ein Lebensgrad der Seele das Leben des göttlichen Geistes in ihr.
Dieser – als pur Leben, weil die unermüdete höchste Tätigkeit selbst – ergießt sich dann in die ihm durch die Liebtätigkeit gleichgewordene Seele, und das ewig unverwüstbare Leben hat in der Seele seinen vollen Anfang genommen!
Und sehet, das kommt alles von der Tätigkeit, nie aber von einer faulen Ruhe her!





Liebe und Weisheit

Großes Ev, Joh. 5Band 117;4-7
Wer Mich nicht als Gott erkennt, der kann Mich auch nicht als einen Gott wahrhaft über alles lieben! Hättest du Mich aber je als Gott erkennen können, so du von Mir nur rein menschliche Handlungen und Taten und Reden beobachtet hättest? Sicher nicht! Und wäre deine Liebe zu Mir so mächtig geworden, so du kein Göttliches an Mir entdeckt hättest?! Dadurch aber, daß Ich dich bloß nur mit aller Liebe und Neigung erfaßt hätte wie allenfalls ein Bräutigam seine Braut, hättest du nicht erfahren können, daß der Geist des allerhöchsten Gottes wohne und wirke in Rat, Wort und Tat in Mir, sondern Meine Weisheit und Meine Macht haben dir das erst verkündet, und es ist somit eben nicht ganz recht, so du Meine Weisheits- und Machtgröße ein erschrecklichstes Feuermeer nennest und der Meinung bist, daß damit die Menschen nie etwas zu tun haben sollen. Gerade das Gegenteil!
Die Menschen sollen mit aller Gier Mein Reich in allem und vor allem suchen und sollen sich als Meine werdenden Kinder stets mehr und mehr in ihres Vaters großem Hause in jeder Sphäre und Beziehung auszukennen anfangen. Dadurch werden sie dann auch in der wahren Liebe voll Demut wachsen, und sie werden dadurch am Vater, und der Vater auch an ihnen, eine stets größere, mit aller Liebe erfülltere Freude haben.
Wenn die Menschen also tun und leben werden ein wahres Leben in und durch Meine Weisheit, Liebe und Macht, dann werden sie auch ganz das sein, was sie alle eigentlich sein sollen. Sie werden dadurch erst als Meine wahren Kinder ebenso vollkommen werden, wie Ich da Selbst vollkommen bin, und werden dann Meine göttliche Weisheit, Macht und Größe nimmermehr als ein erschreckliches Feuermeer finden. Ich meine, daß dir das nun auch klar sein wird!
Doch aber sage Ich euch allen hinzu, daß ihr alle vorderhand die Völker nicht alles das lehren sollet, was Ich euch nun gezeigt habe. Lehret sie vor allem Gott erkennen und lebendig an Ihn glauben und Ihn lieben über alles! Alles andere wird ihnen nach dem Bedarfe der Geist selbst enthüllen.“

Großes Ev, Joh. 7Band 56;12
Wenn ein Mensch in seinem Herzen die Liebe zu Gott und zum Nächsten recht erweckt und fasset, so steigt er dadurch auf zur Weisheit oder zur rechten und tiefen Erkenntnis in allen Dingen. So ein Mensch aber solch eine Erkenntnis erlangt hat und Gottes unbegrenzte Liebe, Weisheit und Macht tiefer und tiefer erkannt und begriffen hat, so wird er voll Demut und voll der lebendigsten Liebe zu Gott. In diesem Falle steigt er dann wieder ins Herz, erleuchtet dasselbe noch heller und macht es glühender in der Liebe zu Gott.






Liebe und Glaube

Haush. Gottes 2 Band 215;8-10
Denn es genügt zum Leben bei weitem nicht, daß da jemand nur wisse, glaube und dann sage: Es ist ein Gott!‘ Wahrlich, solches ist nicht schwer! Aber um vieles schwerer und um vieles mehr sagend ist es, einen Gott über alles zu lieben, da man Ihn nicht sieht.

Wer somit Gott lieben will, der muß nicht nur wissen und glauben, daß Er sei, sondern er muß Gott wahrhaftig erkennen in sich; und wenn er Gott stets mehr und mehr erkennen wird durch sein emsiges Forschen nach Ihm in den Werken (welche uns in den Schriften offenbart werden), so wird er Ihn ja auch stets mehr und mehr lieben müssen, indem er stets heller erkennen wird, daß Gott in Sich die allerhöchst reinste, das heißt, die alleruneigennützigste Liebe und die allerhöchste und allerheiligste Weisheit Selbst ist.







Liebe und Seligkeit

Großes Ev, Joh. 3Band 238;5-8
Gott erfüllte deshalb den unendlichen Raum mit zahllosen Werken, die Seiner endlosen Weisheit und Macht entsprechen, und erschuf denkende und auch mit vieler Weisheit begabte Wesen. Diese, stets im höchsten Grade ergriffen von solcher Weisheitstiefe und Macht in Gott, forschen und bewundern in einem fort die göttliche Weisheitstiefe und Macht des einen Schöpfers und werden bei jeder neuen Enthüllung wieder zur Bewunderung und Anbetung und zur intensivsten Liebe hingerissen!
Nun, dies einzige muß für Gott die eigentliche Seligkeit sein! Für Ihn als den Schöpfer und Vater der Engel, Welten, Menschen und Kinder muß dies allein die größte Wonne sein, alle jene, die Ihn und Seine Worte stets mehr und mehr erkennen und lieben, auch stets seliger zu machen!
Um für uns Menschen dieser Erde, für euch Engel aller Himmel und für alle Geschöpfe der ganzen Unendlichkeit eine desto größere Seligkeit zu bereiten, kam Er Selbst als ein Mensch zu uns auf diese Erde, um Sich uns förmlich als Selbst Mensch mit Fleisch und Blut wie ein Mensch dem andern zu offenbaren. Freund, Wesen oder Engel von Ewigkeit, oder Mensch wie ich es bin, das tut der Herr nicht nur unsertwegen, das tut Er auch Seinetwegen; denn Er müßte mit den Zeiten vor Langerweile vergehen, so Er mit Seiner Allwissenheit denn doch in Sich höchst klar gewahren müßte, daß Er als eine im höchsten Grade formlose, ewige, wenn auch vollendetste Intelligenz von Seinen Geschöpfen nie geschaut und noch weniger angesprochen werden könnte und somit auch unerkannt bleiben müßte!
Wäre es denn nicht im höchsten Grade traurig für einen irdischen Vater, so er zum Beispiel zwanzig Kinder von großer Lieblichkeit hätte, alle aber wären Blinde und Taube, mit denen der liebevollste Vater nie ein Wort reden und sich ihnen auch als Mensch nicht zeigen könnte?! Stelle man sich solch ein Verhältnis nur so recht lebendig vor: einen überaus wohlhabenden Vater mit zwanzig der Gestalt nach gar wunderschön gebildeten Kindern beiderlei Geschlechts, aber alle taub und blind! Frage: Würde solch ein Vater nicht die größten Summen darauf verwenden, um seine sonst gar so lieben Kindlein hörend und sehend zu machen?! Welche Trauer aber wird er empfinden, so es dafür in der ganzen Welt kein Mittel gäbe, um seine Kinder hörend und sehend zu machen?!












DAS WAHRE GEBET

und

EINKEHR - MEDITATION - STILLE

Gewidmet allen Gottsuchern, denen kein Berg zu hoch
und kein Tal zu tief ist, als dass man sie aufhalten könnte ihrer Sehnsucht zu folgen.
Möge diese kleine Schrift euch als Wegzehrung dienen auf eurem Weg
zurück an's Vaterherz Gottes.

Vorwort

Gebet und Verinnerlichung/Meditation – die beiden Kräfte jeglichen religiösen oder spirituellen Lebens.
Wir werden aus den folgenden Texten, welche der Mystiker Jakob Lorber (1800 -1864) von Gott in die Feder diktiert bekam, belehrt, dass das wahre Gebet zwei Ebenen der Ausübung beinhaltet.

Die erste Ebene ist die der Tätigkeit , auf welcher der Mensch durch die praktische Ausübung der Lehre Jesu all sein Handeln – in Form der Nächstenliebe – im Alltag zu einem Gebet machen soll. Hierbei kann einem alles zur Begegnung mit Gott werden, nicht nur der Mensch, sondern die ganze Schöpfung. Kein Geschöpf Gottes ist zu gering und keine Arbeit zu niedrig, in welcher die Liebe nicht ihren Geliebten finden und sich mit Ihm vereinigen kann. Gott ist Geist, in Seinem Innersten der Geist der Liebe und die, welche Ihn anbeten oder ehren wollen, können dies folgerichtig nur im Geist der Liebe tun. Darum hob Jesus das Gebot der Nächstenliebe auf die gleiche Bedeutsamkeit empor wie das Gebot der Gottesliebe. Der Liebedienst am Nächsten ist die uns gegebene Möglichkeit, unsere Liebe zu Gott ganz praktisch im Alltag an unserem Nächsten zu beweisen! Denn keiner liebt "den Menschen" mehr als Er. Die tätige Nächstenliebe - und auch die Wahrnehmung der Sorgepflicht für unsere Natur und die Tierwelt - ist gleichzeitig Gebet an der gesamten Schöpfung Gottes. Wobei jedoch der arme oder leidende Mensch (seelisch oder physisch) immer vorrangig unser eigentlicher Nächster ist.

Jegliches Lippengebet aus Tradition oder aus einer religiösen Verpflichtung heraus ist vor Gott wertlos und erreicht Sein Vaterherz nicht. Allein das in der Liebesflamme brennende Herz vermag in kindlichen, oft stammelnden Worten, seiner Liebe zum Vater Ausdruck zu verleihen. Doch kommt man hier oft nicht über den dritten Satz hinaus, wenn die im Herzen aufsteigende Gottesliebe die Zunge verstummen lässt. Hier wirkt jedes weitere Wort banal. Dieser intime Bereich ist wie ein Kuss zwischen zwei Liebenden; er ist im Grunde nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Aber es ist eine Gnade, solch einen Augenblick selbst zu erleben oder miterleben zu dürfen. Man sollte solch einen Augenblick wie einen heiligen Raum betreten und auch genau so wieder verlassen, still und ohne Worte. Nicht umsonst gab uns Jesus den Rat, beim Gebet nicht viele Worte zu machen, da ja der Vater im Himmel unsere innersten Gedanken kennt. Zu groß ist die Gefahr, durch gewählte Worte in ein Schaubeten zu verfallen, bei dem man weniger zu Gott, als für die Ohren der Anwesenden betet.
Aber auch ein in Liebe und Demut, durch den Einzelnen oder mehrere Menschen, von Herzen gesprochenes Bittgebet wird von Gott gehört und verfehlt seine Wirkung nicht. Man denkt hier ja nicht an das eigene Wohl, sondern an das Wohl eines anderen. Auch dies ist eine Form der Nächstenliebe. Bei allem Bitten sollte man aber sagen: „Nicht mein/unser Wille, sondern Dein Wille geschehe!“ Denn wir wissen nicht, warum das Eine oder Andere über einen Menschen kommt und kommen muss, um seine Seele von den Banden der Weltgebundenheit zu befreien; das weiß allein die Weisheit Gottes und der, dem Er es offenbaren will. All die wohlgeformten und weise klingenden Gebete dagegen sind meistens nur eine Selbstdarstellung des Wortgewandten. Man betet für den begrenzten Raum, in welchem man die Zuhörer weiß. Diese für die Menschen gesprochenen Lippengebete werden im Himmel nicht erkannt und wahrgenommen, da nicht vom Wahren gekommen.

Bei dieser ersten Form – oder auf dieser Ebene des Gebetes – spricht die Seele des Menschen durch Liebetätigkeit an der Schöpfung oder durch das in Liebe entflammte Herz zu Gott. Hier ist es Gott, der zuhört und Seine Kinder in Wonne „wahr-nimmt“.

Die zweite Ebene ist die der Verinnerlichung oder Meditation. Hier atmet der Pilger ein auf seinem Weg in die himmlische Heimat, während er bei der Liebetätigkeit unter den Menschen ausatmet, also gibt. Auf der ersten Ebene ist es der Mensch der handelt, und Gott wird zum Zuhörer. Hier, auf der zweiten Ebene jedoch, wird der Mensch stille und lauscht, er wird nun zum Empfangenden und Gott spricht und wirkt in ihm. Hier wird das Leben mit jedem Atemzug zu einem Gebet, zum immerwährenden Herzgebet.

Keiner sollte sich hierbei an dem Wort „Meditation“ stören, da hierdurch am Besten auf den Punkt gebracht wird, was diese Form der Andacht oder Verinnerlichung beinhaltet. Es ist das Stillewerden der Seele – des Seelenspiegels – vor dem Geiste Gottes. Nur wenn wir es lernen, uns von all unseren Alltagssorgen und -gedanken in Zeiten der Verinnerlichung und der Meditation zu lösen, können wir uns für eine andere Welt, für eine andere Wirklichkeit öffnen. Es ist dies Seine Welt der geistigen Wahrheiten, die Welt oder das Reich Gottes, in welcher Er alles in allem ist. Vor dem Hintergrund, dass die eigentliche Realität die des Geistes ist, ist die gesamte materielle Schöpfung nur der unwirkliche Schatten dieser geistigen Wirklichkeit. Dieser Schatten steht jedoch zwischen uns und einer klaren Sicht der Dinge, er steht letztlich zwischen uns und Gott. Er steht auch als verzerrender Spiegel zwischen unserem irdischen Dasein und unserer wahren göttlichen Bestimmung. Denn wir sind ja einst aus Gott geschöpft von Ihm ausgegangen in ein gesondertes Dasein und haben uns letztlich in der Welt der Schatten und Illusionen verlaufen und verloren. Der uns von Jesus anempfohlene Weg zurück zur Wirklichkeit des Reiches Gottes, also „zu unserer geistigen Wiedergeburt ins schattenlose Licht“, besteht darum auch in einer Tätigkeit auf diesen zwei Ebenen der Liebetätigkeit und der Meditation.

Meditation ist der täglich zu beschreitende Weg, um wieder in eine Verbindung und Harmonie mit der geistigen Wirklichkeit zu treten. Nur hierdurch kann unsere Wahrnehmung und Gedankenwelt wieder auf jenen Punkt gebracht werden, von dem aus wir einen ungetrübten Einblick in das Wesen des Reiches Gottes und unsere eigene Natur erhalten. Durch die Einhaltung der uns von Jesus anempfohlenen Meditationszeiten, in welchen wir uns in unser stilles Herzenskämmerlein zurückziehen sollen, nähren wir den Christus in uns, der durch diese Zuwendung zur vollen Mannes– und Frauengröße emporwachsen kann. Hierzu sollen wir uns von allen weltlichen Geschäften, Gedanken und Einflüssen abwenden (die Fenster und Türen der nach außen gerichteten Sinne schließen), damit das Licht des göttlichen Geistes ungetrübt in unsere Seele scheinen kann. Erst hierdurch werden wir zu wirklichen Weggefährten Jesu, der diesen, Seinen Weg bis zur völligen Vereinigung mit Seinem Vater gegangen ist. Wir jedoch werden durch die beharrliche und fortschreitende Nachfolge Christi in Sein Bild und Wesen übergehen. Auf diesem Weg werden wir dann auch gewahr, dass das Reich Gottes ein Reich des Geistes ist, welches schon immer in uns und um uns herum existiert hat, welches wir jedoch nicht sehen konnten, weil unser geistiges Auge noch geschlossen war, welches sich nur durch die Liebe öffnen lässt.

Ein- und Ausatmen: Das Tätigsein aus dem Motiv der Liebe, als Gebet der Handlung in unserer gefallenen Welt, und das Sich-Versenken in die geistige Wirklichkeit, sind wie das Ein- und Ausatmen der Seele. Beides muss sie tun, um in einem gesunden Gleichgewicht zu leben. Jedes einseitige Vorgehen führt zur Atemnot und hindert uns am Voranschreiten auf dem geistigen Pfad unsrer Berufung.






Teil 1

Das wahre Gebet

GEJ.02_111,03-09
(Nachdem Jesus einem römischen Hauptmann und einigen anwesenden Juden Seine Allmacht offenbarte, indem Er ihnen zeigte, dass Er auch ein Herr über die Elemente ist, fielen die Anwesenden zu Boden um Ihn anzubeten.)

Aber Ich behieß sie, sich vom Boden zu erheben, und sagte zu ihnen: „Höret, alles dessen bedarf Gott und Ich nicht, sondern das allein wahre Gebet besteht in der aufrichtigen Liebe zu Gott, dem Vater im Himmel, und gleichermaßen zu den Nebenmenschen, die eure Nächsten sind. Alles andere Gebet hat vor Gott keinen Wert, und vor Mir auch nicht.
Gott hat die Menschen auch nie gelehrt, Ihn mit den Lippen zu verehren und die Herzen kalt zu halten. Aber weil ein Samuel vor dem Volke laut gebetet hat, desgleichen mehrere Propheten, und weil David Gott dem Herrn seine Psalmen und Salomo sein Hohelied sang, so kam das Volk zum leeren Lippengebet und zu den kalten Opfern.
Aber vor Gott ist solch ein Beten und Opfern ein Greuel! Wer nicht im Herzen beten kann, der bete lieber gar nicht, auf dass er sich vor Gott nicht unanständig gebärde! Füße, Hände, Augen, Ohren und Lippen hat Gott dem Menschen nicht gegeben, dass er damit eitel und leer beten solle, sondern allein das Herz!
Aber dennoch kann ein jeder Mensch auch mit den Füßen, Händen, Augen, Ohren und Lippen beten; und zwar mit den Füßen: wenn er hingeht zu den Armen und ihnen Hilfe und Trost bringt; mit den Händen: wenn er den Notleidenden unter die Arme greift; mit den Augen: wenn er gerne die Armen ansieht; mit den Ohren: wenn er gern und tatwillig Gottes Wort anhört und dieselben vor den Bitten der Armen nicht verschließt; und am Ende mit den Lippen: wenn er sich gerne tröstend mit den armen, verlassenen Witwen und Waisen bespricht und für die Gefangenen nach seiner Macht und Kraft gern ein gutes Wörtlein einlegt bei denen, die die Armen oft schuldlos gefangen halten, auf dass sie dieselben freiließen.
Also betet der Mensch mit den Lippen auch, wenn er die Unwissenden belehrt und sie zum wahren Glauben, zur rechten Erkenntnis Gottes und zu allerlei nützlicher Tugend beredet. Das alles ist dann auch ein Gott höchst wohlgefälliges Gebet. So ihr aber nun das wisst, da tuet auch danach, und ihr werdet an den Segnungen Gottes nie einen Mangel haben! Denn das heißt dann: Gott im Geiste und in aller Wahrheit anbeten.

Es steht zwar wohl geschrieben, dass der Mensch ohne Unterlass beten soll, so er nicht in eine Versuchung fallen will; wie läppisch und vollkommen närrisch aber wäre es, so Gott von den Menschen ein unablässiges Lippengebet verlangen würde! Da müssten denn die Menschen, um Gott wohlgefällig zu werden, Tag und Nacht in einem fort auf den Knien liegen und unaufhörlich leere, herz- und sinnlose Lippengebete, gleich den Vögeln in der Luft herschnattern! Wann aber würden sie dann sonst eine nötige Arbeit bestellen können? Aber so ihr mit Händen, Füßen, Augen, Ohren und Lippen in einem fort also tätig seid und liebet in euren Herzen allzeit Gott und eure armen Nächsten, so betet ihr wahr und in der Tat ohne Unterlass zu Gott, der euch darum auch allzeit segnen und euch darum auch dereinst jenseits geben wird das allerglückseligste ewige Leben.




Gott erkennen heißt:

GEJ.09_037,06-12
Es heißt auch in der Schrift, dass der Mensch Gott anbeten solle. Wie aber soll er Gott anbeten, so er erstens Gott noch niemals anders als höchstens vom Hörensagen erkannt hat und dabei kaum glaubt, dass es einen solchen Gott gibt, und zweitens, er auch nicht von ferne hin weiß, was Gott anbeten heißt! An dem gewissen Lippengebet, bei dem das Herz ferne ist, kann aber Gott ja doch wohl, als Selbst die ewige und reinste Liebe, kein Wohlgefallen haben.
Gott anbeten heißt: Ihn stets über alles lieben und den Nächsten wie sich selbst. Und Gott wahrhaft lieben heißt: Seine Gebote treust halten unter oft noch so misslich scheinenden Lebensverhältnissen, die Gott, so es nach Seiner Liebe und Weisheit irgend nötig ist, über einen und den andern Menschen kommen lässt zur Stärkung und Lebensübung der von der Materie zu sehr angezogenen Seele; denn Gott allein kennt jede Seele, ihre Natur und Eigenschaft, und weiß es auch am klarsten und besten, wie ihr auf den wahren Lebensweg zu helfen ist.
Gott ist in Sich also der höchste und reinste Geist, weil die reinste Liebe, und muss daher von jenen, die Ihn wahrhaft anbeten wollen, im Geiste und in der Wahrheit angebetet werden, und das ohne Unterlass das ganze Leben hindurch, wie das auch tun alle Engel im Himmel ewig!
Wäre das Lippengebet eine rechte und Gott wohlgefällige Anbetung, und Gott verlangte das von den Menschen und Engeln, so wäre Er ebenso schwach, eitel und unweise wie ein blinder und hoffärtiger Pharisäer, der von jedermann über alles hochgeehrt sein und über alles herrschen will. Denn so ein Mensch zu Gott Tag und Nacht mit dem Munde beten sollte, und das ohne Unterlass, wo würde er dann die Zeit zur andern nötigen Arbeit hernehmen und wie für sich und die Seinen die nötige Leibesnahrung schaffen? Leider gibt es nun unter den Juden eine Menge solcher Narren und wird es auch fürderhin geben, die Gott mit nahe endlos langen Lippengebeten anbeten und meinen, dass das ein wahrer Gottesdienst sei und Gott daran ein Wohlgefallen habe, besonders, wenn ein solches Lippengeplärr mit allerlei Zeremonie begleitet wird.
Allein, wahrlich sage Ich euch allen: Wo Ich also von den Menschen angebetet und geehrt werde, da werde Ich sofort Mein Gesicht abwenden und einer solchen Anbetung und Verehrung nimmerdar achten, und das darum, um den dummen Menschen praktisch zu zeigen, dass vor Mir derlei Anbetungen und Verehrungen ein wahrer Greuel sind und Ich ihrer niemals achte, besonders jener schon gar niemals, die von den Priestern ums Geld verrichtet werden, weil da der Betende, der darum von einem andern bezahlt worden ist, bloß zum Scheine, zumeist ohne allen Glauben, ein solches Gebet hinmurmelt, und der, dem das Gebet helfen soll, selbst zu träge ist, seine Knie vor Gott zu beugen und daher lieber andere für sich beten lässt.
Liebet daher Gott über alles und eure Nächsten wie euch selbst, und tut sogar denen Gutes, die euch Böses tun, und betet sogestaltig auch für eure Feinde, und bittet ebenso für die, welche euch hassen und verfluchen, und vergeltet nicht Böses mit Bösem – außer im höchsten Notfalle, um einen wahren Bösewicht dadurch vom Wege des Lasters möglicherweise auf den Weg der Tugend zu setzen –, und Ich werde solch eine wahre und lebendige Anbetung mit dem innigsten väterlichen Wohlgefallen ansehen und wahrlich keine eurer Bitten unerhört lassen! Aber ein pures Lippengebet ohne Herz und vollsten Glauben werde Ich niemals ansehen und irgend erhören. Ich habe euch nun getreust den rechten Lebensweg gezeigt; wandelt und handelt also, und ihr werdet dadurch sein und bleiben in Mir und Ich in euch!
In wem aber Ich bin durch seine Liebe zu Mir und daraus zum Nächsten, der wird nicht in der Nacht des Gerichtes und des Todes der Seele, sondern gleichfort am hellsten Lebenstage wandeln.

GEJ.03_207,02-04+11-14
Wer Gott wahrhaft und fruchtbringend anbeten will, der muss Gott zuvor in seinem Herzen lebendigst erkennen, er muss Gott im Geiste und in aller Wahrheit zuerst haben in der Erkenntnis und in der Liebe, dann erst kann er Ihm die Ehre geben und Ihn vollgültig anbeten; ohne dem treibt der Mensch auch mit dem wahren Gott eine scheußliche Abgötterei!
Wie kann ein Mensch den allein wahren Gott würdig und wirksam anbeten, so er Ihn noch nie anders als nur vom Hörensagen ganz götzenhaft erkannt hat?! Was Unterschiedes wird dann zwischen der Anbetung des allein wahren Gottes und derjenigen eines Götzen sein?!
Die wahre Anbetung des allein wahren Gottes besteht in der Liebe zu Ihm und in der Liebe zum Nächsten. Wer aber kann Gott lieben, so er Ihn noch nie erkannt hat?
Darum ist eines jeden Menschen erste Pflicht, in aller Demut seines Herzens Gott zu suchen im Geiste und in der Wahrheit, und hat er Ihn gefunden, dann erst bete er Gott auch im Geiste und in der Wahrheit an!
Das Hauptgebet aber besteht darin, dass ein demütiges Herz demütig bleibt und seinen Nächsten liebt in der Tat mehr als sich selbst, Gott aber als den allein wahren Vater aller Menschen und Engel über alles!

Niemand aber kann Gott lieben in seinem finstern Fleische, so er seinen Bruder hasset; denn wie möglich könnte jemand Gott lieben, den er nicht sieht, so er seinen Bruder nicht liebt, den er sieht?! Es ist aber bei weitem nicht genug, zu sagen: „Ich liebe meine Nächsten und bin ihnen sehr freundlich!“ Die wahre und vor Gott allein gültige Liebe muss in Werken bestehen, wenn die Nächsten derselben bedürfen, geistig oder leiblich. Diese Liebe ist der wunderbare Schlüssel zum Lichte aus Gott im eigenen Herzen.


Übt euch im Gottvertrauen

GEJ.09_087,02-06
Was soll dann solch ein Mensch tun, um Dich also um etwas zu bitten, dass er es voll glaubete, dass Du ihn erhören werdest?“
Sagte Ich: „Der soll wissen, dass Ich erstens kein zorniger und rachgieriger, sondern ein geduldiger und liebevollst sanftmütiger Gott bin, wie das schon durch den Mund der Propheten ist gesagt worden und Ich nun zu allen Sündern rufe: Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und mit Sünden belastet seid; denn Ich will euch alle erquicken!
Und zweitens sollen sich die Menschen im wahren Beten allzeit üben und darin nicht lass werden; denn ein rechtes und festes Vertrauen wird dem Menschen auch durch eine rechte Übung eigen, die noch stets dem Jünger in was immer für einem Fache zur Meisterschaft verholfen hat.
Ein mit allen diesirdischen Gütern wohlversehener Mensch verlernt leicht das wahre und glaubensvolle Beten. Kommt endlich einmal eine Not über ihn, so fängt er wohl auch an, durchs Beten bei Gott Hilfe zu suchen; aber er hat bei sich zu wenig Vertrauen dahin, dass er bei Gott werde Erhörung finden, und der Grund liegt offenbar im Mangel an der Übung des lebendig vollen Vertrauens zu Gott. Wodurch aber kann der Mensch sein Vertrauen zu Gott wohl besser kräftigen als durch die Übung, bestehend im Beten und Bitten ohne Unterlass? Worin aber hauptsächlich das Beten und Bitten ohne Unterlass besteht, habe Ich euch schon gezeigt.“

GEJ.07_085,19-20
Gott will nicht mit euren Psalmen und Psaltern und Harfen und Zimbeln und Posaunen, sondern durch euer reges und unverdrossenes Handeln nach Seinem Worte und Willen angebetet, verehrt und gepriesen sein.
Wenn ihr Gottes Werke betrachtet und darin stets mehr und mehr Seine Liebe und Weisheit erforschet und erkennet, dadurch in der Liebe zu Ihm wachset und selbst in euch weiser und weiser werdet , so betet ihr auch wahrhaft und bringet Gott ein rechtes Lob dar; alles andere aber, was ihr bisher unter Beten verstandet, ist völlig leer, nichtig und wertlos vor Gott.


Gegen Heuchelei und Götzenkult

(Im Folgenden geht es gegen das falsche, sich selbst dienende Priestertum, das mit allerlei nichtigem Blendwerk und Zeremonien, das Volk in geistiger Finsternis hält. Also all jene, die nicht Gott und den Menschen, sondern sich selbst und dem Erhalt ihrer Macht dienen. Es ist aber keine Generalverurteilung der heutigen Kirchen, in denen es neben den falschen Priestern auch noch die rechten, im Willen des Herrn lehrenden und lebenden gibt.)

GEJ.06_123,06-15
Hinweg mit allen Gebeten, hinweg mit allen Feiertagen, da ein jeder Tag ein wahrer Tag des Herrn ist, und hinweg mit allem Priestertume! Denn ein jeder Mensch, der Gott erkennt und Ihn über alles liebt und Seinen Willen tut, ist ein wahrer und rechter Priester und ist dadurch auch ein rechter Lehrer, so er seinen Nebenmenschen eben diese Lehre gibt, die er von Mir empfangen hat.
Wer also Meinen Willen tut, spricht nun der Herr, der betet wahrhaft und betet allzeit ohne Unterlass; und ein jeder Tag, an dem ein Mensch seinem Nebenmenschen in Meinem Namen eine Wohltat erweist, ist ein rechter und Mir allein wohlgefälliger Tag des Herrn.
Wenn aber jemand seinem Nächsten eine Wohltat erweist, so tue er das im stillen und mache darum nicht reden von sich und brüste sich nicht damit vor den Menschen! Denn wer das tut, der hat seinen geistigen Lohn bei Mir schon dahin genommen, dass er für seine edle Tat einen weltlichen Ruhm erhielt; dieser aber stärkt die Seele niemals, sondern verdirbt sie nur, weil er sie eitel und selbstgefällig macht.
Also ist es auch mit dem Bitten um irgendeine Gnade von Mir. Wer da durch seine Bitte etwas von Mir erhalten will, der bitte ganz still in seinem von der Liebe zu Mir erfüllten Herzen, und es wird ihm gegeben, um was er gebeten hat, so es sich mit dem Lebensheile seiner Seele verträgt.
Desgleichen können sich auch ganz im stillen zwei, drei oder auch mehrere vereinen und für sich und die ganze Gemeinde bitten – aber nicht also, dass es gleichfort erfahre die Gemeinde –, und Ich werde solche Bitten sicher erhören. Aber so da gingen etwa zwei, drei oder auch mehrere und würden es der Gemeinde verlautbaren, dass sie das an diesem oder jenem Tage oder in dieser und jener Tageszeit tun werden, auf dass sie dann die Gemeinde ansähe und lobte, ja am Ende gar ein solch frommes Bittwerk bezahlte, – wahrlich, da wird solch ein Gebet niemals erhört werden und somit auch der Gemeinde wie denen, die da gebetet haben, nichts nützen! Denn alles das und derlei haben auch die Heiden getan und tun es noch, dass sie bei großen Gefahren in großen Scharen von einem Götzentempel zum andern zogen, dabei allerlei dümmstes Schnitzwerk, Fahnen, Gefäße und noch eine Menge anderer Sachen trugen und ein großes Geheul machten, in die Hörner stießen, gewaltig die Zimbeln schlugen und mit den Schilden klirrten. Sie veranstalteten auch weite Wallfahrten zu den außerordentlichen und besonderen Götzengnadenbildern, und so sie dort ankamen, verrichteten sie allerlei dümmstes Bußwerk und spendeten dem Götzen große und oft ganz ansehnliche Opfer; damit war freilich den Götzenpriestern sehr geholfen, nur den dummen Wallfahrern niemals. Also derartige allgemeine Gebete und Bitten werden von Mir aus niemals erhört!
Wer also bei Mir eine gute Bitte erhört haben will, der wallfahrte in sein Herz und trage Mir also ganz im stillen seine Bitte mit ganz natürlichen und ungeschmückten Worten vor, und Ich werde ihn erhören. Aber Ich sage euch noch hinzu, dass Mir dabei ja niemand mit irgendeiner fromm aussehenden Gebärde und Miene kommt! Denn wo bei einer Bitte an Mich die gewissen heuchlerisch frommen Gesichterdrückereien vorkommen werden, da wird auch keine Bitte erhört werden; denn wer Mir nicht kommen wird so natürlich, wie er ist, und nicht bitten wird im rechten Geiste der vollsten Wahrheit, der wird nicht erhört werden, sondern nur der, der Mich wahrhaft liebt, Meinen Willen tut und zu Mir ganz ohne allen Prunk und Zwang kommt, wie er ist, der wird von Mir aber auch allzeit erhört werden.
Also ist es auch eine alte Sitte, sogar bei den Juden, dass die blinden und dummen Menschen bei ihren Bitten und Gebeten auch eigene (besondere), mehr feine und bessere Kleider anziehen, weil sie meinen, dass der Mensch zur sogenannten größeren Ehre Gottes nicht genug tun könne. Aber das bedenkt so ein Narr nicht, dass es gar viele Arme gibt, die kaum zur größten Notdurft ihres Leibes Blöße bedecken können. Wie muss es dem Armen zumute sein, so er den Reichen also geschmückt in einem Bethause ersieht und sieht, welch eine Ehre dieser Gott gibt, während der Arme das nicht tun kann und sich dabei denken muss, dass er mit seinem Gebete in seinen Lumpen seinen Gott nur beleidigen muss!
Wahrlich, sage Ich euch: Wer immer mit gewissen besseren Kleidern angetan Mich um etwas bitten wird, der wird auch niemals erhört werden – und noch weniger irgendein Priester in seinen dummen, verbrämten Zaubermänteln und Röcken!
Also gibt es auch eine alte Unart bei den Gebeten zu Gott, dass man nur irgendeine gewisse fremde Sprache dafür gebraucht und hält diese für die Verehrung Gottes am würdigsten. Wo solch ein Unsinn je in der Folge bestehen wird, da wird die Bitte auch niemals erhört werden.
Der Mensch schmücke vor Mir sich allein nur im Herzen und rede die Sprache, die die seine ist, und rede die Mir wohlverständliche Sprache seines Herzens, und Ich werde seine Bitte erhören!


Beten im Geist und in der Wahrheit

GEJ.10_032,03-07
Hierauf sagte der Hauptmann: „Herr und Meister, wie sollen wir bitten, dass wir Dir wohlgefällig und somit auch nicht vergeblich Dich um etwas Rechtes bitten könnten? Denn es kann ein Mensch auf dieser Welt in gar mannigfache Bedrängnisse gelangen und kann sich da mit einer rechten Bitte um Abhilfe nur an Dich wenden. Wie aber soll er da bitten und beten?“
Sagte Ich: „In jeder Not und Drangsal bittet mit natürlicher Sprache im Herzen zu Mir, und ihr werdet nicht vergeblich bitten!So ihr aber Mich um etwas bittet, da machet nicht viele Worte und durchaus keine Zeremonie, sondern bittet also ganz still im geheimen Liebeskämmerlein eures Herzens :


Unser lieber Vater, der Du im Himmel wohnst.
Dein Name werde allzeit und ewig geheiligt!
Dein Reich des Lebens, des Lichtes und der Wahrheit komme zu uns und bleibe bei uns!
Dein allein heiliger und gerechtester Wille
geschehe auf dieser Erde unter uns Menschen also,
wie in Deinen Himmeln unter Deinen vollendeten Engeln!
Auf dieser Erde aber gib uns das tägliche Brot!
Vergib uns unsere Sünden und Schwächen, wie auch wir sie denen allzeit vergeben werden,
die gegen uns gesündigt haben!
Lasse nicht Versuchungen über uns kommen,
denen wir nicht widerstehen könnten,
und befreie uns also von allem Übel,
in das ein Mensch infolge einer zu mächtigen
Versuchung dieser Welt und ihres argen Geistes geraten kann.
Denn Dein, O Vater im Himmel, ist alle Macht, alle Kraft, alle Stärke und alle Herrlichkeit
und alle Himmel sind voll derselben von Ewigkeit zu Ewigkeit !

Siehe, du Mein Freund, also soll ein jeder bitten in seinem Herzen, und seine Bitte wird erhört werden, so es ihm mit derselben völlig ernst ist, – doch nicht pur mit dem Munde, sondern wahr und lebendig im Herzen! Denn Gott in Sich ist ein purster Geist und muss denn auch im Geiste und dessen vollster und ernstester Wahrheit angebetet werden.












Teil 2




Stille Einkehr

(Aus Psalmen und Gedichte Seite 75)
Der Leibesstimme Hauchgewimmer
Das dringt zu Meinem Ohren nimmer
Und ein Gebet- nur von dem Munde
Sei niemals eurer Bitten Kunde.
Im Herzen nur soll reden lernen,
Auf Erden so wie in den Sternen,
Ansonsten wird er sich verirren.
Denn einmal pfleg‘ ich laut zu reden,
Hört‘s wohl, ihr allzeit Herzensspröden!
Nur so in heiliger Stille leise
Ich rede stets in liebster Weise.
Und wenn ihr möcht‘t Mein Wort vernehmen,
Sollt ihr an Stimme euch nie stemmen,
Im Herzen müsst ihr Worte bauen
Und nur in dessen Inn‘res schauen.
Ihr nehmt zum Beispiel: “Unser Vater“,
Und sprecht es matt und immer matter,
Am Ende lasst ihr weg die Stimme,
Horcht nur noch auf des Geist‘s Gewimme;
Gleich einem Echo werd ‘t ihr finden
Sich Worte sanft dem Geist entwinden,
Und geht‘s - wie schwer auch - im Beginnen,
Nicht lasset ab, ihr werd’t gewinnen!-
Gleich wie die Kinder anfangs lallen,
Um ihren Willen euch zu malen,
So ist es auch mit innrer Sprache,
Gewöhnung kläret wohl die Sache.
Zu allem - hört! - gehöret Schule,
Sonst wird gar All‘s zu einer Nulle,
Darum muss Obiges geschehen,
Sonst könnt ihr nie den Geist verstehen.
Und habt ihr das in euch gewonnen,
Und seid zu beten gern gesonnen,
Dann sollt derart im Geist ihr stehen,
Ich werde euch gar wohl verstehen.
Und wenn ‘s dann euerem Geist wird gehen,
Wohl fertig seine Zung‘zu drehen,
Recht klar und deutlich All ‘s zu sagen,
Könnt ihr Mich auch um etwas fragen;
Und nach der Kraft der reinen Liebe
Ihr werd’t gewahren heil‘ge Triebe;
Dann horchet ganz gelassen stille
Wie sich da kündet Gottes Wille.
Ihr werdet‘s klar und deutlich hören,
Was da nun ist Mein leichtes Begehren:
Nur auszustreuen guten Samen,
Das soll geschehen all ‘zeit! Amen!



Pflege dein Innenleben

GEJ.03_061,01-03
Raphael: „Siehe, in eines Hauses Innerem ist seit langem schon alles in der höchsten Unordnung; voll Schmutzes und allerlei Unflates sind dessen Gemächer. Aber der Hausherr hat stets auswärts etwas zu tun und nimmt sich daher nie eine rechte Zeit dazu, um das Innerste seines Hauses rein zu machen; da er aber zur Nachtzeit dennoch darin die Ruhe nehmen muss und die unreine Luft einatmet, so wird er krank und schwach, und es wird ihm fürder schwer werden, sein Haus zu reinigen und in der schlechten Luft zu genesen.
Und siehe, so ist dein Herz auch ein Haus der Seele und vorzüglich des Geistes! Wenn du aber immer nach außen hinaus tätig bist, wann wirst du da dein Lebenshaus reinigen, auf dass dein Geist gedeihe in der guten Luft deiner Seele?
Also ist fürs Gedeihen der Seele und des Geistes in ihr vor allem, was du tust, die äußere Ruhe notwendig!“

GEJ.05_218,01-02
Ruhe, die wahre, innere Gemütsruhe ist für jeden Menschen das notwendigste geistige Element, ohne das er nichts wahrhaft Inneres und geistig Großes zu fassen vermag, und darum gewähre Ich euch auch gerne das, was du soeben verlangtest.
Es ist aber solch eine Ruhe, in der dem Leibe und seinen Gliedern die Tätigkeit vorenthalten wird, dennoch keine Ruhe, sondern vielmehr eine innere große Tätigkeit der Seele danach und darin, sich mit ihrem Geiste, den sie wahrzunehmen angefangen hat, mehr und mehr zu einen. Und so du eine solche Ruhe verlangst, so tust du, wie auch ein jeder andere, wohl daran, und nach fortgesetzter und täglich einmal vorgenommener solcher innerer Ruhe, oder besser Seelentätigkeit, wirst du erst zu fühlen anfangen, welch einen großen wahren Lebensnutzen du daraus gewonnen hast .





Seelenspiegel und Sabbatruhe

GEJ.02_148,09-13
Wenn ihr aber sehet einen ganz ruhigen Wasserspiegel, und es scheint die Sonne darein, so wird sie aus dem Wasserspiegel in derselben Majestät und Wahrheit widerstrahlen, als wie ihr sie sehet am Himmel. Und ebenso gehört ein ruhiges, leidenschaftsfreies Gemüt, das nur durch eine gänzliche Selbstverleugnung, Demut, Geduld und reinste Liebe erreicht werden kann, dazu, damit das Ebenmaß Gottes im Geiste des Menschen ebenso rein und wahr widerstrahle wie die Erdsonne aus einem ruhigsten Wasserspiegel.
Ist das bei einem Menschen der Fall, so ist in ihm alles zur Wahrheit gediehen, und seine Seele ist dann fähig, ihren Blick in die Tiefen der Schöpfungen Gottes zu richten und alles schauen zu können in aller Fülle der reinsten Wahrheit. Aber sowie es in ihr zu wogen anfängt, so werden die Urbilder zerstört, und die Seele befindet sich dann schon notwendig auf dem Felde des Truges und der Täuschungen aller Art und Gattung und kann nicht zur reinen Anschauung gelangen, bis nicht in ihr die völlige Ruhe in Gott eingetreten ist.
Und das ist die wahre Sabbatruhe in Gott, und die Feier des Sabbats ist darum von Gott verordnet worden. Der Mensch soll sich da von jeder schweren, anstrengenden Arbeit enthalten, weil jede schwere Arbeit die Seele nötigt, dem Fleische ihre Kräfte zu leihen, und dabei mit demselben erregt wird, was den Spiegel ihres Lebenswassers in eine starke Bewegung versetzt, daß sie darum die rein göttliche Wahrheit in sich nimmer klar erkennen kann.
Die wahre Sabbatruhe besteht demnach in einer vernünftigen Feier von aller schweren Arbeit; ohne Not soll man nicht die Hand an sie legen, aber in der Not ist jeder Mensch verpflichtet, seinem Bruder zu helfen.
Mehr aber noch, als sich von aller schweren Arbeit enthalten, soll eine jede Seele jede Leidenschaft zur Seite schaffen! Denn die Leidenschaften sind Stürme der Seele; sie wühlen ihr Lebenswasser auf, und Gottes Ebenmaß wird dann in der Seele also zerrissen, wie das Ebenmaß der Sonne auf den Wogen des Meeres zerrissen wird. Es blitzt wohl das Bild der Sonne aus den Wogen, aber in welcher Verzerrtheit! Und so der Sturm lange währt, so entsteigen dem bewegten Meere bald schwere Dünste und füllen die Himmelsluft der Seele mit schweren Wolken; diese hindern dann das Licht der Geistessonne völlig, an das Lebensgewässer der Seele zu gelangen, – und die Seele wird finster, kann nicht mehr unterscheiden Wahres vom Falschen und hält das Blendwerk der Hölle für ein Himmelslicht .

GEJ.05_073,09-12
Sage Ich: „Wo und wann immer ein Mensch wahrhaft für das Heil seiner Seele gearbeitet hat, dort und dann hat er auch am meisten und wahrhaft und am alleruneigennützigsten gearbeitet; denn eine rechte Tätigkeit zum Wohle und Heile der eigenen Seele schließt ja ohnehin alle andere selbstsüchtige Tätigkeit ganz vollständig aus, weil die Selbstsucht und Eigenliebe die Liebe zu Gott und zum Nächsten völlig ausschließt.
Wer irdisch für seinen Leib sorgt, der sucht die Schätze dieser Welt, wühlt in der Materie und vergräbt seine Seele also ins Gericht und in den Tod. Wenn ein solcher Mensch auch den ganzen Tag hindurch auf dem Felde mit Pflug und Haue gearbeitet hat mit solchem Eifer, dass er am Abend im eigenen Schweiße ganz ordentlich gebadet war, so war er dem gegenüber, was Ich Arbeit nenne, dennoch ein Tagedieb, ein fauler Knecht für das Feld des Reiches Gottes.
Denn wer für den wahren, von Gott ihm gestellten Zweck nicht arbeitet im Geiste nach Recht und Gebühr in der Ordnung Gottes, der arbeitet sicher auch zum zeitlichen und ewigen Wohle seines Nächsten nicht, und Gott zu suchen und näher zu erkennen findet er nicht der Mühe wert. Wer aber Gott zu finden und wahrhaft zu erkennen sich keine Mühe gibt, der gibt sich noch weniger eine rechte Mühe zum Wohle seines Nächsten, und so er schon für ihn etwas tut, da tut er das nur seiner selbst willen, damit der Nächste irgend fähig werde, ihm mehrfach dafür zu nützen, als was er ihm bloß einfach Gutes getan hat.
Du hast aber nun Gott gesucht und dich selbst und Gott gefunden; und siehe, das war eine rechte Tätigkeit von dir, und Ich sage es dir, dass du nun in den etlichen Stunden mehr getan hast als sonst durch dein ganzes Leben!“


Meditationsanweisungen

GEJ.01_224,08-12
Der Herr:) Nichts ist dem ganzen Menschen heilsamer als eine zeitweilige innere Sichselbstbeschauung! Wer sich und seine Kräfte erforschen will, der muss sich zu öfteren Malen selbst erforschen und innerlich beschauen.Weil aber solches eben so notwendig ist, darum wollen wir denn für heute Vormittag auch eine solche Übung vornehmen, und nach dem Mittagsmahle aber werden wir ein bisschen aufs Meer uns begeben und sehen, was allenfalls da zu machen sein wird.“
Es wissen aber einige nicht, wie sie es mit der inneren Selbstbeschauung anfangen sollen, und fragen Mich darum. Ich aber sage: „Ruhet und denket im stillen lebendig nach über euer Tun und Lassen, über den euch wohlbekannten Willen Gottes, und ob ihr demselben nachgekommen seid zu den verschiedenen Zeiten eures Lebens, so habt ihr euch innerlich selbst beschaut und dadurch stets mehr und mehr dem Eindringen des Satans in euch den Weg erschwert. Denn dieser sucht nichts emsiger, als durch allerlei äußere, nichtssagende Gaukeleien den Menschen an seiner inneren Sichselbstbeschauung zu verhindern.
Denn hat der Mensch einmal durch Übung irgendeine Fertigkeit in der Beschauung seines Innern erreicht, so findet er in sich auch nur zu leicht und zu bald, welche Fallen ihm der Satan gelegt hat, und kann dann diese weidlichst zerstören und zunichte machen und aller künftigen Arglist desselben Feindes auf das energischste vorbauen. Das weiß der Satan nur zu gut und ist daher alleremsigst beschäftigt, durch allerlei die Seele nach außen ziehende Gaukeleien eben die Seele selbst zu beschäftigen, und er hat dann hinter der Wand ein ganz leichtes, unvermerkt der Seele allerlei Fallen aufzurichten, in die sie sich am Ende derart verstricken muss, dass sie dann fürder zu einer Sichselbstanschauung gar nicht mehr gelangen kann, was sehr schlimm ist.
Denn dadurch wird die Seele dann stets mehr von ihrem Geiste getrennt und kann denselben nicht mehr erwecken, und das ist dann schon der Beginn des zweiten Todes im Menschen.

GS.02_044,16-17
Also muss ja notwendig ein jeder, der in das Leben seines Geistes eingehen will, sich tagtäglich auf eine Zeitlang in die vollkommene Ruhe seines Geistes begeben und muss in dieser nicht etwa mit allerlei Gedanken umherschweifen, sondern er muss einen Gedanken nur fassen und diesen als ein bestimmtes Objekt unverwandt betrachten.
Der beste Gedanke ist hier freilich der Herr. Und wenn jemand solches mit Eifer und aller möglichen Selbstverleugnung fort und fort tun wird, so wird dadurch die Sehe wie das Gehör seines Geistes stets mehr und mehr an innerer Schärfe gewinnen, und nach einer eben nicht zu langen Zeit werden diese beiden Sinneswerkzeuge des Geistes so sehr erhöht werden, dass er mit der größten Leichtigkeit dort geistige Formen von der wunderbarsten Art erblicken wird, wo er vorher nichts als eine formlose Leere zu erschauen wähnte. Und so wird er auch mit eben der Leichtigkeit Töne und Worte vernehmen, wo ihm ehedem eine ewige Stille zu sein schien. Ich meine, ihr werdet mich verstehen, was ich euch damit habe sagen wollen und werdet hoffentlich auch einsehen, dass euer Einwurf hinsichtlich des Schauens um ein Bedeutendes eitler war als meine Beheißung, wie geartet ihr eure Sehe zum ferneren Anblicke dieser Herrlichkeiten stärken sollet.

Geist von Seinem Geist

GEJ.09_058,06-07
Niemand kann wissen, was im Menschen alles als zum Leben Notwendiges verborgen ist, als nur der Geist, der im Innersten des Menschen ist und wohnt; und so weiß auch kein Weltweiser, was Gott Selbst und was in Ihm ist, als nur der Geist Gottes, der alle Tiefen Dessen durchdringt.
Wenn der Geist im Menschen aber nicht als das wahre Lebenslicht erweckt wird, da ist es finster im Menschen, und er erkennt sich nicht. Wenn durch den Glauben an Mich und durch die Liebe zu Mir und zum Nächsten aber der Geist im Menschen erweckt und zum hellen Lichte entzündet wird, dann durchdringt der Geist den ganzen Menschen, durch und durch, und der Mensch erschaut da, was in ihm ist und erkennet sich. Und wer sich erkennt, der erkennt auch Gott; denn der wahre und ewige Lebensgeist im Menschen ist nicht ein Menschengeist, sondern ein Gottesgeist im Menschen, ansonst der Mensch kein Ebenmaß Gottes wäre.


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